Zwischenbericht Nr. 13, Juni 2026
Aktualisierung vom 24.06.2026
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, Aktive, Freundinnen, Freunde und Interessierte der Medizinhilfe,
als ich Mitte März 2022 den ersten Zwischenbericht schrieb, war nicht absehbar, dass diese Art der Kommunikation so lange notwendig sein würde – ohne derzeit absehbares Ende. Früher haben wir einen Bericht jährlich veröffentlicht. Was hat sich unsere Arbeit intensiviert und ist gewachsen, wir staunen selber. Bis 2021 haben wir jährlich einen Sattelschlepper nach Transkarpathien geschickt. In 2026 waren es bis Mitte Juni bereits neun! große LKW mit 68 Tonnen Material für vier verschiedene ukrainische Zentren. Seit dem Komplettüberfall auf die Ukraine sind es 48 Sattelschlepper mit 465 Tonnen an medizinischen und humanitären Hilfsgütern, die wir in die Ukraine in verschiedene Orte an zuverlässige Partner-Organisationen senden konnten.
Mit diesem Bericht versuche ich einen Einblick in unsere Arbeitsweise zu vermitteln, weil sich vielleicht die eine oder der andere fragt, wie wir das alles schaffen. Es ist nur möglich durch kooperative Teamwork mit zunehmender Arbeitsteilung sowie langjährige praktische Unterstützung verschiedener Akteure wie Baymoh, Hellmann, Kirchenkreisamt, LiebchenDesign, Lomotex, Steinecker und TTM.
Wir agieren mit 8% Geld- und 92% Sachspenden. Unsere Hilfe ist nur finanzierbar durch Ihre und Eure großzügigen Geldspenden sowie möglich durch die vielen Sachspenden. Umgesetzt wird der Umfang der verschiedenen Arbeiten durch die vielen Aktiven, die – teilweise seit Jahren – ehrenamtlich z.B. in ihrer Freizeit die Hilfsgüter aus einem immer größeren Umkreis zusammentragen, verpacken und zu „unserer“ Spedition bringen. Inzwischen entstanden eigenständige Teams mit Arbeitsschwerpunkten z.B. Abholungen von Gütern.
Darüber hinaus übernehmen Aktive einzelne Bereiche. Z.B. ein Mitglied betreut das Lager im Parkhaus und kümmert sich um Verpackungsmaterial. Ein weiterer holt Hilfsgüter ab und bringt diese in unser Lager. Ein anderes Mitglied kontaktiert Kliniken, Seniorenheime und Firmen. Ich übernehme die Koordination und organisiere Abbauten von Praxen und begleite diese vor Ort. Ein Leitungsteammitglied hat ein Controlling aus den Daten des Kirchenkreisamtes aufgebaut. So wissen wir, wieviel wir in welchen Transport investiert haben. Eine ärztliche Kollegin ist Ansprechpartnerin für beide Hanauer Kliniken. Unser Pressechef unterstützt bei Interviews und schreibt Presseartikel. Gute Kommunikation ist für Spender wichtig. Im März wurde ein Interview im Hessischen Ärzteblatt veröffentlicht. Es zeigt eine positive Resonanz. Die Landesärztekammer Hessen benennt uns jetzt auch als Hilfsorganisation für die Ukraine. Wir haben so größere Sachspenden erhalten, die wir abholen wie Frankfurt, Wetzlar und Hattersheim.
Unsere Homepage wird viel geklickt, bis jetzt knapp 290.000 – auch aus der Ukraine. Diese aktuell und interessant halten, ist etwas aufwendig, lohnt sich aber. Unser Graphiker gestaltet und veröffentlicht die Informationen rasch. Mein Vertreter im Leitungssystem ist über alle Abläufe informiert. Wir besprechen alles, sodass bei Fragen schnell gemeinsame Entscheidungen getroffen werden können. Das Leitungsteam trifft sich persönlich alle vier Monate. Das sind beim Essen gemütliche – anschließend arbeitsintensive Stunden, in denen gemeinsam informiert, diskutiert und das weitere Vorgehen abgestimmt wird.
Wir erhalten immer hochwertigere medizinische Sachspenden aus ganz Deutschland – oft durch die Vermittlung von TTM e.V., die auch unsere Medizintechnik prüfen und ggf. reparieren bzw. Ersatzteile besorgen. Nicht nur unsere Sattelschlepper, sondern auch manchmal schwierige Abholungen einzelner Güter aus der Ferne, organisiert das Team von Hellmann für die Medizinhilfe mit kleinen Transportern. So war die Spende einer Zahnarzt- Röntgeneinheit mit mehreren Geräten eine echte Herausforderung. Denn nicht nur liegt die Praxis in Breisach – südlich von Freiburg. Sondern auch eine 200 kg schwere Röntgeneinheit musste über eine schmale Treppe aus dem ersten Stock ins Erdgeschoss getragen werden – wo sie nicht stehen bleiben konnte! Freiburger Speditionen lehnten den Auftrag ab. Sie empfahlen eine Firma, die auch Klaviere transportiert. So haben vier Profis nicht nur alles auf die Straße getragen, sondern auf einer Spezialpalette fixiert und abholbereit mit nach Freiburg genommen. Das war natürlich kein preiswertes Unterfangen, aber die Vorab- Nachfrage für den Bedarf in Charkiw, wurde freudig bejaht.
Manchmal landen wir ungeplante Volltreffer. Anfang Januar kam die Anfrage einer Heidelberger Firma, die Laborröhrchen und Zubehör vertreibt, ob wir Interesse an bis zu 90 Paletten Sachspenden hätten. Die Antwort zum Bedarf des Leiters der NGO in Charkiw, er ist Jurist, war, dass wir mal 10 Paletten schicken könnten. Aus Kostengründen holten wir direkt 20 Paletten ab. Nur drei Tage nach der Ankunft dieser ersten Paletten in Charkiw kam die dringende Bitte um mehr Material, denn dies sei bereits komplett verteilt. Es stellte sich heraus, dass die 27 Kliniken, die von dieser NGO Hilfsgüter erhalten, Anfang 2022 – also vor dem Überfall – das letzte Mal solche Einmalmaterialien erhalten haben. Mit dem nächsten und übernächsten Transport schickten wir weitere 33 Paletten, alles Material hatte noch ein gültiges Verfallsdatum. Diese Woche erhielt ich Fotos von teilweise lächelnden Labormitarbeitenden, in den Armen „unsere“ Kartons – Fotos auf der Homepage folgen.
Neu ist ein persönlicher Kontakt zur Landesärztekammer Hessen in Frankfurt. So haben wir im Januar eine große Zahl an PC, Monitoren und Laptop samt Laptoptaschen erhalten. Zusammen mit einer weiteren großen Spende an gebrauchten PC und Monitoren einer Firma aus Brühl, konnten wir in diesem Jahr 120 komplette Workstations – entweder als Laptop – oder als PC mit Monitor, Tastatur und Maus sowie ca.30 Drucker mit Ersatzpatronen an verschiedene Empfänger versenden. Unser IT-Profi hat vorab alle Geräte gereinigt und mit lizensiertem Windows 10 in Englisch ausgestattet.
Eine Textilfirma aus Heusenstamm unterstützt unsere Arbeit ebenfalls großzügig. So konnten wir mehrfach auch in diesem Jahr u.a. Bettwäsche, Kissen, Decken uvm. günstig kaufen oder erhielten es als Spende. So haben wir Mitte Mai mit 18 Aktiven über 600 Teppiche sowie zahlreiche Paletten mit Betttüchern, Handtüchern, Bademäntel, Bettwäsche verpackt – ein 7,4 Tonner wichtiger Spenden.
Durch den günstigen Kauf von 48 gut erhaltenen, elektrischen Klinikbetten aus Bad Salzungen haben sich direkt drei weitere Transporte ergeben. Der für Myrhorod geplante Transport wurde von der ukrainischen NGO mit unserer Zustimmung in die 100 km entfernte Großstadt Poltawa umgeleitet. Die 14 Betten sind so hochwertig, dass sie auf Intensivstationen großer Kliniken eingesetzt werden sollen. Durch den Bericht im Ärzteblatt entstand ein lebhafter Kontakt nach Darmstadt zu einer aktiven Radiologin und nach Dieburg zu DE-UA Partnerschaft e.V. Wir sandten gemeinsam einen Transport nach Uzhgorod – mit 14 Betten und vielen Textilien sowie zahlreichen Care-Paketen, Fahrrädern, Matratzen und vielem mehr in die NGO „Eulennest“ – ein großes humanitäres Zentrum. Sogar dessen Leiterin kennen wir inzwischen persönlich – sie war kurz vor dem Transport zu Besuch. Inzwischen sind alle Transporte mit den Betten sicher an ihren Zielorten angekommen. Mit dem Transport nach Uzhgorod konnte die Medizinhilfe aus Lwiw erbetene Handdesinfektionsmittelspender schicken. Diese Pakete werden von Uzhgorod aus per Nova Posta nach Lwiw gesendet. Die NGO in Charkiv erhielt 20 Betten aus Bad Salzungen sowie Untersuchungsliegen, Röntgenzubehör, Stühle und Verbrauchsmaterial aus der Orthopädie in Hattersheim und Hilfsgüter anderer Spender. Zusätzlich sendeten wir mehrere Paletten fabrikneuer Orthesen aus Süd-Deutschland
Übersicht unserer wesentlichen Aktivitäten:
- Mitte Januar verzögerter Transport nach Myrhorod, der eigentlich auch mit Weihnachtsgeschenken für Mitte Dezember geplant war. Nur fand sich kein bezahlbarer LKW.
- Mitte Januar Fahrt nach Kulmbach zum Abbau einer orthopädisch- chirurgischen Praxis mit 11 Aktiven in einem 7,5 und einem 3,5 Tonner sowie Privatfahrzeugen. Schlussendlich luden wir zwei 7,5 und den 3,5 Tonner – unterstützt durch Eigentümer und einer Fußballmannschaft
- Ende Januar Transport nach Charkiw durch die Kulmbacher Spende
- Ende Januar: Abholung von hochwertiger Medizinartikel aus der Sportklinik Frankfurt
- Mitte Februar Transport nach Charkiw
- Mitte April Transport nach Charkiw
- Mitte Mai Transport nach Charkiw
- Mitte Mai Transport nach Myrhorod (Region Poltawa)
- Anfang Juni Transport nach Poltawa
- Anfang Juni Transport nach Uzhgorod zusammen mit Dieburger DE-UA Partnerschaft e.V.
- Anfang Juni Abholungen in Hattersheim, Frankfurt und Main-Kinzig-Kreis
- Mitte Juni Transport nach Charkiv
Mit diesem ausführlichen Bericht, in dem ich hoffentlich nichts Wesentliches vergessen habe, sind Sie und seid Ihr, wieder auf dem Laufenden, was die Arbeit der Medizinhilfe angeht. Ein herzlicher Dank geht an alle – auch besonders unsere „Aktiven“. Bitte bleibt an unserer Seite – nur gemeinsam können wir das alles bewältigen, um vor allem die Zivilbevölkerung in der Ukraine zu unterstützen.
Sehr herzlich
Martina Scheufler
