Städtische Kliniken Mukachevo (1996, 1997, 1998)

Neben dem Regionalen Kinderkrankenhaus verfügt Mukachevo auch über eine Klinik für Erwachsene – doch auch diese städtische Einrichtung konnte und kann nicht mit westlichen Standards verglichen werden. Diese Tatsache ist besonders alarmierend, wenn man bedenkt, dass das Städtische Krankenhaus im Prinzip Anlaufstelle für über 250.000 Menschen ist, die in der Region um Mukachevo leben.

Die Medizinhilfe Karpato-Ukraine machte sich bereits bei ihrem ersten Besuch in Mukachevo im Jahre 1996 ein Bild von den Zuständen vor Ort – damals hatte die Klinik noch 1300 Betten, 2009 waren es dann nur noch 850. In der Apotheke des Krankenhauses waren damals nur ein paar Päckchen Tabletten vorrätig, die Hälfte der Betten waren ohne Matratzen und nur mit zwei Wolldecken oder  Schaumstoff belegt, der einzige Rollstuhl des Krankenhauses hatte keine Bereifung. In Gefäßen mit einer Desinfektionslösung wurden Einmalspritzen gesammelt, um sie wieder zu verwenden.

Wer in diesem Krankenhaus, das typisch für die Ukraine war und ist, behandelt werden will, muss fast alles selbst mitbringen: die Bettwäsche genauso wie die Lebensmittel, Medikamente sowie medizinisches Verbrauchsmaterial. Wem das alles nicht möglich ist, der kann nur sehr eingeschränkt behandelt werden, da es in der Ukraine keine gesetzliche Krankenversicherung, sondern nur eine allgemeine freie Heilfürsorge gibt.

Nach dem ersten Besuch in 1996 begann eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Ärzten des Städtischen Krankenhauses, die dafür sorgten, dass die gespendeten Hilfsgüter in den einzelnen Abteilungen sinnvoll und möglichst effizient zum Einsatz kamen. Die christlichen Ärzte des Städtischen Krankenhauses versuchten daher die schlimmste Not zu lindern, indem sie z.B. die Notfallmedikation für ihre Patienten selbst finanzierten. Ein Zustand, der auf lange Sicht nicht tragbar war. Schnelle Hilfe aus Deutschland war also geboten. Stellvertretend dafür standen Dr. Pál Oroszi, Leiter der Onkologie, Dr. László Vackó, Leiter der Rheumatologie sowie die Onkologin Dr. Irina Wittenberger, die späteren Gründer des Medical Center.

Da Eile geboten war, konnten schon 1997 der Städtischen Klinik Mukachevo durch die Medizinhilfe aus Hanau weitere Sachspenden geschickt werden. Durch Sach- und Geldspenden von Ärzten, Krankenhäusern und Firmen konnten zwischen 1997 und 1998 unter anderem zwei Ultraschall- und -Diagnostikgeräte (Wert ca. 100.000 DM), ein Licht- und Wärmetherapiebett für Neugeborene, ein EKG, Laboranalysengeräte (Wert ca.100.000 DM), OP-Bestecke, Untersuchungsinstrumente für die Gynäkologie sowie Medikamente (Wert ca. 500.000 DM) in das chronisch unterversorgte Krankenhaus geschickt werden.

Um sich sowohl von dem Erhalt als auch von der Einsatz der so dringend benötigten medizinischen Hilfsgüter zu überzeugen, reisten die beiden Ärztinnen der Medizinhilfe Karpato-Ukraine 1998 erneut nach Mukachevo, um den Städtischen Kliniken einen Besuch abzustatten. Auch wollte man sich vor Ort informieren, welche Dinge am Nötigsten und somit rasch gebraucht wurden. Diejenigen Chefärzte und Abteilungen, die die gespendeten Geräte nicht im allgemeinen täglichen Einsatz für alle Patienten verwendeten oder diese nicht zeigen konnten, wurden ab diesem Zeitpunkt nicht mehr bedacht.

Bei dem Besuch 1998 ging es auch um die Frage der künftigen Wartung der sensiblen Gerätschaften. Die Delegation versprach den Ärzten vor Ort daher zu versuchen, Techniker zu finden, die bereit sind, künftig mit nach Mukachevo zu fahren, um Schäden vor Ort zu beheben. Dieses Unterfangen sollte sich jedoch sehr mühsam gestalten. Es dauerte zwei Jahre, bis eine entsprechende Reisegruppe zusammengestellt war.

Eindrücke aus dem Städtischen Krankenhaus